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Die Standards bilden zusammen mit dem Leitbild des 'Blick über den Zaun' die neuere Broschüre "Was ist eine gute Schule? Leitbild und Standards" pdf Download

Unsere Standards in englisch englischer und russisch russischer Sprache


 

 

Einleitung
„Blick über den Zaun“, der Verbund reformpädagogisch engagierter Schulen, möchte sich mit diesem Text in die öffentliche Diskussion über Standards und Schulqualität einschalten.

Wir haben unsere Vorstellungen von einer guten Schule in einem Aufruf festgelegt (www.BlickUeberDenZaun.de, 2003), der auch in der „Neuen Sammlung“ (Heft 2/2005) veröffentlicht worden ist, und aus den dort genannten „Grundüberzeugungen“ Standards abgeleitet, die wir hier präsentieren.

Im Sinne der Definition von Klieme verstehen wir unter Standards empirisch überprüfbare Ist-Beschreibungen. Diese Standards können also als Instrument dienen, Schulen zu evaluieren, sind aber zuerst und vor allem ein Mittel der Selbstverständigung und Selbstverpflichtung.

Unsere Standards operationalisieren und präzisieren unsere Vorstellung von einer guten Schule und stellen darum hohe Ansprüche. Diese können von keiner Schule alle immer erfüllt werden. Pädagogik ist prinzipiell an Soll-Vorgaben orientiert. So kann zum Beispiel die vernünftige und friedliche Regelung von Konflikten nie als gesichert, muss aber als Standard gelten.

Unsere Standards sind denen für fachliches Lernen vor- und übergeordnet. Sie drücken implizit unsere kritischeDistanz gegenüber den von der KMK vorgelegten „Bildungsstandards“ aus, weil diese die Frage, was Schulen gut macht, nicht in den Blick nehmen. Der gegenwärtige Trend, die Qualität von Schulen allein an den Ergebnissen zentraler fachlicher Tests zu messen, ist aus unserer Sicht pädagogisch und didaktisch kontraproduktiv. Gute Schulen lassen sich erkennen an der Art und Weise, wie dort Menschen miteinander umgehen, wie das Lernen angelegt und begleitet wird. Gute Schulen (in dem hier präzisierten Sinn) befähigen ihre Schülerinnen und Schüler auch zu guten Fachleistungen. Umgekehrt lassen gute Fachleistungen nicht unbedingt auf eine gute Schule schließen, weil sie auch durch Mittel erreicht werden können, die eine gute Schule nicht anwendet. Schulqualität entscheidet sich an Prozessen, die in ihrem notwendig sehr komplexen Kontext durch zentrale Wissensprüfungen nicht sichtbar gemacht werden können. Die Frage nach Schulqualität wird darum durch solche Formen der Evaluation verstellt. Diese einseitige Verengung zu korrigieren ist ein zentrales Anliegen dieser Initiative. Wir plädieren damit zugleich für andere Formen und Verfahren der Evaluation, z.B. durch peer reviews, wie sie unter den „Blick über den Zaun“-Schulen üblich sind.

Unsere Standards beziehen sich auf die vorab definierten und in dem genannten Aufruf festgelegten Grundüberzeugungen. Sie sind jeweils drei Ebenen zugeordnet: der des pädagogischen Handelns, der der schulischen Rahmenbedingungen und der der systemischen Rahmenbedingungen. Diese Unterscheidung ist nicht immer trennscharf, so dass es zu Überschneidungen kommt. Die Anordnung soll sichtbar machen, dass und wie die drei Ebenen und die mit ihnen verbundenen Zuständigkeiten miteinander verschränkt und aufeinander bezogen sind. So lassen sich die Standards für pädagogisches Handeln auch als Ansprüche an die Schule lesen, die die Rahmenbedingungen schafft. Und diese wiederum können als Appell an die staatlichen Instanzen verstanden werden: Wenn Schulen in diesem Sinne gut sein sollen, müssen diese Rahmenbedingungen gewährleistet sein.

1. Den Einzelnen gerecht werden – individuelle Förderung und Herausforderung
Die wichtigsten Vorgaben für jede Schule sind die ihr anvertrauten Kinder, so, wie sie sind, und nicht so, wie wir sie uns wünschen mögen. Sie haben ein Recht darauf, als einzelne, unverwechselbare Individuen mit unverfügbarer Würde ernst genommen zu werden. Sie haben ein Recht darauf, dass die Schule für sie da ist und nicht umgekehrt.

Die Standards zu dieser Vorgabe sind nach folgenden Rubriken differenziert:
1. Individuelle Zuwendung, Betreuung
2. Individualisierung des Lernens
3. Förderung/Integration
4. Feedback, Lernbegleitung, Leistungsbewertung

1.1 Individuelle Zuwendung, Betreuung

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Die Schülerinnen und Schüler werden täglich begrüßt und verabschiedet, wenn sie in die Schule kommen bzw. die Schule verlassen.

Jede Lerngruppe hat täglich Unterricht bei der Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer oder der Lehrkraft, die sie/ihn vertritt.

Jede Gruppe wird von zwei Erwachsenen betreut.

 

Sie wissen, wohin sie gehören, wohin ihre Sachen gehören und die der anderen. Sie finden ihren Klassenraum geordnet vor.

Die Klassenräume sind so ausgestattet, dass alles, was die Schülerinnen und Schüler brauchen, in klarer, übersichtlicher Ordnung vorhanden ist.

Für die Ausstattung der Räume stehen genügend Sachmittel zur Verfügung.

Sie haben feste Ansprechpartner, und diese haben Zeit für sie.

Für individuelle Gespräche gibt es feste oder informelle Zeiten.

Im Zeitbudget für Lehrerinnen und Lehrer ist Zeit für Beratung und Betreuung verpflichtend vorgesehen.

In der Gruppe können sie ihre Erlebnisse und Probleme vorbringen.

Es gibt feste Zeiten für die Betreuung der Gruppe.

Sie finden Hilfe und Beratung für persönliche Probleme bei allen für sie zuständigen Erwachsenen.

Zu den Zuständigkeiten aller Erwachsenen gehört Beratung und Hilfe bei persönlichen Problemen. Beratungslehrer/innen haben unterstützende Funktion.

Beratung ist Teil der Lehrerausbildung. Lehrerinnen und Lehrer wissen, welche unterstützenden Systeme professionelle Hilfe leisten.

Sie finden Hilfe und Beratung für gesundheitliche Probleme.

Das Curriculum der Schule weist Bausteine zur Gesundheitserziehung aus, die in der Verantwortung aller Lehrerinnen und Lehrer liegt. Diese kennen und beachten Symptome für gesundheitliche Probleme und wissen, welche unterstützenden Systeme zur Verfügung stehen.

In der Schule gibt es einen Sanitätsdienst.

Gesundheitserziehung ist Bestandteil der Lehrerausbildung. Unterstützende Systeme sind miteinander vernetzt (gemeinsame Verantwortung)

Sie wissen, dass die Schule in Kontakt mit ihrer Familie steht und hilft, für Probleme Lösungen zu finden.

Die Eltern finden in der Schule Beratung und Unterstützung.

Die Schule sichert kontinuierliche und institutionalisierte Kontakte mit den Eltern und schafft dafür unterschiedliche Anlässe.

Die Schule arbeitet bei der Beratung der Eltern mit verschiedenen Unterstützungssystemen zusammen.

Im Zeitbudget der Lehrenden sind Kontakte mit Eltern verpflichtend vorgesehen.

Die Lehrerinnen und Lehrer handeln entsprechend dem Leitbild der Schule

Die Schule hat ein Leitbild, dem Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und Eltern verpflichtet sind.

Die Schule kann Lehrerinnen und Lehrer auswählen.

Die Schule ist berechtigt, verpflichtende Vereinbarungen mit Mitarbeitern und Eltern zu schließen.

Die Lehrerinnen und Lehrer begegnen den Schülerinnen und Schülern respektvoll und „auf Augenhöhe“ (auch sprachlich).

Gespräche der Erwachsenen untereinander über Schülerinnen und Schüler sind von Achtung getragen. Für solche Gespräche gibt es regelmäßige Anlässe, zum Beispiel Teambesprechungen.

 

In der Schule wird den Schülerinnen und Schülern gutes, nahrhaftes Essen geboten.

In der Schule stehen ansprechend und funktional ausgestattete Räume für gemeinsame Mahlzeiten zur Verfügung.

Das angebotene Essen ist abwechslungsreich und gewährleistet eine gesunde Ernährung.

Die Ausstattung der Schulen entspricht den Anforderungen gesunder Ernährung

Sie finden in der Schule viele Gelegenheiten für Bewegung, Spiel und Sport.

Die Schule ist durch kind- und jugendgerechte Anlagen als „bewegte Schule“ ausgestattet. Die Anlagen sind den Tag über zugänglich. Das Schulgelände ist nach pädagogischen Gesichtspunkten funktional und abwechslungsreich gestaltet.

Die Richtlinien für Schulbau und für die Gestaltung des Schulgeländes orientieren sich an pädagogischen Kriterien. Sie gewährleisten, dass die Schule unterschiedlichen Bedürfnissen und Begabungen durch eine flexible Ausstattung gerecht werden kann.

Die Schule kann Experten aus unterschiedlichen Berufsgruppen einstellen.

Sie können sich in ruhige Räume zurückziehen.

Es gibt in der Schule geschützte Räume, die Stille ermöglichen.

Sie finden in der Schule viele Gelegenheiten für musisches und handwerkliches Tun.

Die Schule ist mit altersgerecht unterschiedlichen Räumen und Lerngelegenheiten ausgestattet, die zu musischem und handwerklichen Tun einladen. Diese sind den Tag über zugänglich.

An den Lernorten sind Experten aus verschiedenen Berufen tätig, die zum Personal der Schule gehören.

 



1.2 Individualisierung des Lernens

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Jede Schülerin, jeder Schüler kann in jeder Unterrichtsstunde gut „mitkommen“.

Der Unterricht ist so angelegt, dass auch lernschwache Schülerinnen und Schüler sich ein Mindestpensum aneignen können.

Fachliche Standards werden als Mindeststandards formuliert.

Jede Schülerin, jeder Schüler kann in jeder Unterrichtsstunde Leistungen erreichen, die – gemessen an ihren/seinen Voraussetzungen – „gut“ sind.

Der Unterricht ist auf unterschiedliche Leistungsniveaus angelegt.

Fachliche Standards sind differenziert ausgelegt.

Die Lehrenden kennen die individuellen Lernstände.

Sie verstehen individuell verschiedene Lernmöglichkeiten und -wege.

Die Schule stellt den Lehrenden Zeit und Hilfsmittel zur Verfügung, ihre diagnostische Kompetenz weiter zu entwickeln.

Diagnostische Kompetenz ist Bestandteil der Lehrerausbildung

Der Unterricht ist dialogisch angelegt: Das Verstehen der Lernwege gehört ebenso zur Aufgabe der Lehrenden wie die Vermittlung des Sachwissens.

Die Methode des Dialogischen Lernens nach Ruf/Gallin ist Bestandteil der Lehrerausbildung.

Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten in Teams zusammen, zu deren Aufgaben pädagogische Beratungsgespräche über die Schülerinnen und Schüler gehören.

Im Zeitplan der Lehrerinnen und Lehrer ist die Gelegenheit und die Verpflichtung zu Teamberatungen vorgesehen.

Im Zeitbudget der Lehrerinnen und Lehrer sind Teamberatungen verpflichtend vorgesehen.

Die Schülerinnen und Schüler erwerben ein Repertoire unterschiedlicher Methoden und lernen sie sinnvoll anzuwenden.

Das Schulcurriculum weist aus, welche Methoden in welchem Zusammenhang gelernt werden können.

Methodenkompetenz gehört zur Lehrerausbildung.

Die Lehrenden bedienen individuell verschiedene Lernmöglichkeiten und -wege.

Lernmaterial, Räume und Sachmittel sind auf Differenzierung der Lernwege ausgelegt. Die Schule verfügt über ein für alle Lehrenden zugängliches Archiv, wo Unterrichtsmaterial gelagert und eingesehen werden können.

Die vorbereitete Lernumgebung ist Prinzip der Unterrichtsgestaltung.

 

Die Schülerinnen und Schüler finden alle Materialien vor, die sie für ihre Arbeit brauchen.

 

Sie haben genügend Zeit, um ihre Arbeit in ihrem eigenen Tempo zu erledigen.

Die Schule antwortet durch flexible Zeitplanung auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler.

 

1.3 Förderung, Integration

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Alle Schülerinnen und Schüler finden in der Schule herausfordernde und spannende Lerngelegenheiten.

Zum Schulprogramm gehört ein eigenes Förderkonzept. Es zielt darauf, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten möglichst gut entwickeln können. Dazu gehört:
• Die Schülerinnen und Schüler sind in alle Entscheidungen einbezogen, die ihr Lernen betreffen
• Sie können in unterschiedlichen Gruppierungen lernen; der Klassenverband kann verlassen werden, zeitweise auch die Schule.
• Sie können einen Teil des Unterrichts wählen.
• Sie können die Lerngelegenheiten der Schule nutzen und Unterricht bei Experten (Nicht-Lehrern) haben

Die Schule bietet professionelle Beratung und Hilfe an. Sie kooperiert mit sonderpädagogischen Fachkräften, die in die Jahrgangsteams integriert sind, und mit anderen Experten/Institutionen.

Das Schulsystem ist auf Inklusion, nicht auf Exklusion angelegt.

Schulen sind berechtigt, Lerngruppen und Lernzeiten flexibel zu planen. Sie sind nicht auf Jahrgangsklassen festgelegt.

Kurse im Wahlbereich können von Nicht-Lehrern erteilt werden.

Die Schulentwicklung zielt auf Integration. Den Schulen werden sonderpädagogische Fachkräfte zugewiesen.

Sie werden nach ihren Lernwünschen gefragt, und diese werden ernstgenommen.

Sie werden individuell beraten und begleitet.

Sie lernen, die eigenen Begabungen und Defizite einzuschätzen und darauf angemessen zu reagieren.

Ihre Begabungen werden herausgefordert und gefördert.

Für Lernprobleme finden sie geeignete Hilfen.

 

1.4 Feedback, Lernbegleitung, Leistungsbewertung

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Die Schülerinnen und Schüler erhalten für ihre Leistungen verständliche und hilfreiche Rückmeldungen.

Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler werden auf unterschiedliche Weise ausgewiesen und bewertet. Die Schule entwickelt dafür altersgemäß differenzierte Formen der Rückmeldung und Bewertung.

Die Schule begründet gegenüber den Eltern ihre Kriterien der Leistungsbewertung (z.B. Aufklärung über die Zensuren-Problematik) und versichert sich durch kontinuierliche Überzeugungsarbeit ihres Einverständnisses.

Die Schulen erhalten die Freiheit, bis zur 9. Klasse auf Noten zu verzichten. Andere Formen der Leistungsbewertung (z.B. Lernberichte) werden als gleichwertig anerkannt, die Zeitanteile dafür im Budget verrechnet.

Schulen können auf Nicht-Versetzung („Sitzenbleiben“) verzichten und die dadurch gesparten Lehrerstunden anderweitig verwenden.

Fachliche Anforderungen werden nicht als jahrgangsbezogene Regelstandards, sondern als progressionsbezogene Mindeststandards ausgewiesen.

Die Rückmeldungen orientieren sich primär an dem, was der/die Einzelne geleistet hat und kann.

Die Rückmeldungen spiegeln den zurückgelegten Lernweg, gemessen am individuellen Leistungsvermögen und bezogen auf die individuell erreichbare fachliche Progression.

Das Schulcurriculum weist die fachliche Progression in Form von Stufen aus, die von allen durchlaufen werden, jedoch mit unterschiedlichem Tempo und unterschiedlichen individuellen Verweildauern (Mindeststandards, nicht Jahrgangsnormen)

Das noch nicht Erreichte wird so zurückgespiegelt, dass die Rückmeldung als konstruktive Hilfe erfahren wird.

Für die Leistungsrückmeldung sind im Schulcurriculum verbindliche Verfahren vorgesehen. Sie zielen darauf, die individuelle Leistung zu sehen, zu fördern und zu werten. Dazu gehören
• verbindliche Beratungsgespräche mit Eltern und Kindern, die protokolliert werden,
• Berichte oder andere Formen individueller Rückmeldung,
• Vereinbarungen zur individuellen Förderung,
• Förderpläne.

Individuelle Leistungsbegleitung und -bewertung ist Bestandteil der Lehrerausbildung. Dazu gehören:
• Beratungsgespräche
• schriftliche Formen individueller Rückmeldung
• Umgang mit Portfolios und anderen Formen individueller Leistungsbegleitung (z.B. Lerntagebuch)
• der Umgang mit Feedback

Die Rückmeldung weist konkrete Hilfen zur Bewältigung der nächsten Lernschritte aus.

Die Rückmeldung ist dialogisch: Die Schülerinnen und Schüler sind in die Bewertung einbezogen.

Die Schule stellt individuelle Förderprogramme und kompetente Unterstützung bereit

Die Förderprogramme werden in Förderplänen festgelegt, diese werden regelmäßig ausgewertet und fortgeschrieben.

Die Schülerinnen und Schüler geben den Lehrenden ihrerseits Feedback über den Unterricht

Feedback wird als Bestandteil der Unterrichtskultur etabliert.

 

2. „Das andere Lernen“ – erziehender Unterricht, Wissensvermittlung, Bildung
Schulen haben die Aufgabe, die Heranwachsenden mit den Grundlagen unserer Kultur vertraut zu machen: Wissenschaft und Technik, Religion und Philosophie, Kunst, Musik und Literatur. Bildung heißt, sich diese Grundlagen je individuell und gemeinsam mit anderen erschließen zu können, sich Sinn- und Wertfragen zu stellen, sich in der Demokratie zu bewähren, die Verfahren der Wissenschaft und die Formen und Wirkungen ästhetischen Gestaltens zu erproben und zu verstehen. Lernen ist umso wirksamer, je mehr es an Erfahrung, (Selbst-)Erprobung, Bewährung und Ernstfall gebunden ist. Lernen ist umso weniger wirksam, je stärker es nur rezeptiv, fremdgesteuert, einseitig kognitiv bleibt: „paper and pencil“ sind wichtige Hilfsmittel, aber schlechte Lehrmeister. Lernen braucht Erlebnis und Erfahrung ebenso wie Übung und Systematik; seine Qualität hängt davon ab, wie sich beide ergänzen. Lernen ist ein individueller Prozess, der sich im sozialen Kontext vollzieht, ist angewiesen auf kooperatives Handeln, Erforschen und Erproben. Neugier, „Forschergeist“, Lernfreude und Ernst sind die Voraussetzungen für die aktive „Aneignung von Welt“, die den Kern von Bildung ausmacht. Die wichtigste Aufgabe der Schule ist, Lernen so anzulegen, dass daraus Bildung werden kann. Darum braucht Lernen Freiraum: die Freiheit der Schule, den Unterricht jeweils neu zu denken und auf Bildung anzulegen, Zeit und Freiheit für aktive Formen der Aneignung, für selbstständiges und selbsttätiges Lernen und eigenverantwortliches Handeln. Lernen braucht individuelle und gemeinsame Rückmeldung, Präsentation und gesellschaftliche Anerkennung von Ergebnissen.

Die Standards zu dieser Vorgabe sind nach folgenden Rubriken differenziert:
1. Lernen in Sinnzusammenhängen/Erfahrungsorientierung
2. Selbstverantwortetes, selbsttätiges Lernen
3. Freude am Lernen und Gestalten
4. Differenzierung
5. Qualitätskriterien für/ Bewertung und Präsentation von Leistungen

 

2.1 Lernen in Sinnzusammenhängen/Erfahrungsorientierung

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Fachliches Lernen geschieht an kulturell und individuell bedeutsamen Gegenständen.

Das schulinterne Curriculum bietet Freiraum für unterschiedliche Inhalte; es erlaubt, Lerngegenstände so auszuwählen, wie es dem Stand der Gruppe entspricht.

Für die Unterrichtsarbeit der Schule sind Ziele vorgegeben, nicht Wege.

Zur Autonomie der Schule gehört die Freiheit, die Stundentafel umzugruppieren und mit der Lernzeit frei umzugehen.

Die Kernlehrpläne lassen den Schulen maximale Spielräume für die Gestaltung des schuleigenen Curriculums.

Die Budget-Autonomie gewährleistet, dass die Schule über ihre Mittel für Ausstattung und für Personal-Einstellung frei verfügen kann.

Der Unterricht orientiert sich primär an den Anforderungen der Sache, nicht an den Fächergrenzen, und zielt auf vernetzendes Denken.

Die Schule ist in Jahrgangsteams gegliedert; die Planung des Unterrichts erfolgt in den Teams, die in einem Jahresplan die zentralen Unterrichtseinheiten/Projekte und deren Themen festlegen.

Mehrere Fächer wirken zusammen, soweit ein gründliches Verständnis der Sache dies erfordert.

Die Fächer sind mit unterschiedlichen Anteilen an fächerübergreifenden Themen beteiligt; die Fachkonferenzen legen fest, welche Anteile der Fachsystematik damit abgedeckt sind.

Zeit für fachimmanentes Lernen und Üben wird im notwendigen Mindestumfang im Jahresplan ausgewiesen.

Systematische Belehrung ist der aktiven Aneignung nachgeordnet; sie ergänzt diese, soweit die Sache es erfordert.

Lernen vollzieht sich wesentlich als individuelle, aktive Aneignung, als ganzheitlicher Prozess; die Schülerinnen und Schüler bekommen dazu Anregungen und Anleitung.

Die Schule ist so ausgestattet, dass selbstständiges, aktives Lernen begünstigt wird (Lernorte, ggf. stadtteilbezogen: Werkstätten, Theater- und Kunsträume, Labore, Sportstätten, Küche, Bibliothek, frei zugängliche Internet-Plätze...). Diese Lernorte werden von Fachpersonal betreut.

Für solches Lernen sind zusammenhängende Zeitblöcke vorgesehen.

Der Stunden- und Jahresplan weist flexible Zeiten aus: kurze Einheiten für kognitiv-fachliches Lernen, längere für experimentell-praktisches Lernen, Zeit für Freiarbeit, mehrere Wochen für fächerübergreifende Unterrichtseinheiten/Projekte.

 

Die Schülerinnen und Schüler lernen oft außerhalb der Schule: in Betrieben, kulturellen Einrichtungen, bei Exkursionen, Reisen...

Außerschulische Lernorte werden planvoll in den Unterricht einbezogen. Die Schule kooperiert mit Betrieben, mit kommunalen und anderen Einrichtungen.

Außerschulisches Lernen ist Bestandteil des Unterrichts und offiziell als solcher anerkannt. Die Schule kann Nicht-Lehrer als Fachleute einstellen.

Sie kann Verträge mit Betrieben abschließen.

Sie erfahren Lernen als etwas, was mit ihnen zu tun hat und ihnen die Möglichkeit bietet, sich als Person zu bewähren; ihnen wird verantwortliches Handeln zugetraut und zugemutet.

Die Schule vermittelt Praktikumsplätze, sie stellt Möglichkeiten für Exkursionen und Reisen zur Verfügung, vermittelt und hält Kontakte, so dass die Schülerinnen und Schüler auf sich gestellt, aber nicht alleingelassen sind.

Der Zusammenhang zwischen den Anforderungen der Sache und der dafür nötigen Übungs- und Lernarbeit ergibt sich für sie einsehbar und sachlich begründet.

Fachkurse sind so weit wie möglich an überfachliche Einheiten angegliedert.

 

Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich fachliche Zugänge so weit wie möglich durch eigenes Erproben und Experimentieren (genetisches Lernen).

Der Unterricht ist methodisch auf selbsttätiges Lernen und Erproben „Mit Kopf, Herz, Hand und Fuß“ (Pestalozzi) angelegt.

 

 



2.2 Selbstverantwortetes, selbsttätiges Lernen

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Die Schülerinnen und Schüler sind in die Planung des Unterrichts einbezogen: Ihre Fragen und Vorschläge werden aufgegriffen und ernst genommen.

Planungen von Unterrichtseinheiten/Projekten beginnen mit einem „Brainstorming“, dessen Ergebnisse vom Jahrgangsteam aufgegriffen werden.

 

Sie erfahren die Auseinandersetzung mit Sachen als produktive Herausforderung

Anzustrebende Produkte/Ergebnisse werden vorab besonders verdeutlicht, so dass die Schülerinnen und Schüler konkrete Lernanreize und Orientierungen haben.

 

Sie ordnen sich Spezialistengruppen zu und erwerben Expertenwissen.

Der Unterricht ist auf Gemeinsamkeit und Differenzierung angelegt (s.u.). Die selbstständige Zielsetzung und Planung von Lernprozessen ist fester Bestandteil des Unterrichts und wird ebenso überprüft wie die Lernergebnisse bewertet werden. Die Unterrichtsangebote sind so angelegt, dass alle Schülerinnen und Schüler herausgefordert sind, ihre Leistungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen. In allen Fächern kommt Gruppenarbeit als Standard-Situation vor; es gibt Absprachen über verbindliche Regeln, Verfahren, Methoden zur Optimierung der Gruppenarbeit.

Unterschiedliche Formen von Leistungen (Projektergebnis, Portfolio, Gruppenbericht...) werden als gleichwertig anerkannt. Prozess- und Produktbewertung sind gleichwertig.

Prüfungs- und Bewertungsformen unterstreichen die Bedeutung von Selbstständigkeit beim Lernen.

Sie lernen, sich erreichbare Ziele zu setzen, planen und reflektieren ihre Arbeit und setzen dafür geeignete Verfahren und Formen ein (Projektskizzen und -pläne, Mindmap, Lerntagebuch ...).

Sie stärken ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung durch Herausforderungen, die bis an ihre Leistungsgrenze reichen und bewältigt werden können.

Sie koordinieren die Arbeit der Gruppe, legen Verfahren, Zeiten und Regeln fest und achten auf deren Einhaltung.

Sie konzipieren und planen besondere individuelle Leistungen über längere Zeit. Sie kennen und verwenden dafür notwendige oder hilfreiche Verfahren (Logbuch, Lerntagebuch ...) und wissen, wo und wie sie Unterstützung finden.

Der Unterricht in allen Fächern fördert selbstständiges, eigenverantwortliches Arbeiten.

Die Schule ist auch außerhalb der Unterrichtszeit für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler zugänglich.

Die Schule vereinbart und vermittelt ein Methoden-Curriculum, das in altersgemäßer Stufung an geeigneten Inhalten eingeübt wird.

 


2.3 Freude am Lernen und Gestalten

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Die Schülerinnen und Schüler sind gefordert, Produkte ihrer Arbeit in die ihnen mögliche Bestform zu bringen.

Die ästhetische Qualität ist ein wichtiges Kriterium für die Anerkennung und Bewertung von Leistungen.

 

Sie erfahren die Gestaltung von Arbeitsergebnissen als anspruchsvolle Herausforderungen und erleben, dass sich solche Mühe lohnt. Sie orientieren sich (auch) am angestrebten Produkt, wenn sie ihre Arbeit konzipieren und reflektieren. Sie gestalten ihre Arbeitsprodukte nach eigenen Vorstellungen.

 

 

 

Sie nehmen wahr, dass sie mit ihren Arbeitsergebnissen die Schule mit gestalten.

Die Ästhetik des Schulbaus korrespondiert mit ihrem Programm. Bei der Gestaltung des Schulgebäudes und -geländes werden Schülerarbeiten planvoll einbezogen.

 

Sie haben die Möglichkeit, mit den Ergebnissen ihrer Arbeit in der Schule Spuren zu hinterlassen.

 

Sie erfahren phantasievolle Formen der Anerkennung für die Ergebnisse ihrer Arbeit und der Arbeit anderer. Sie erleben, dass sie stolz auf Ergebnisse ihrer Arbeit sein können und dass ihre Schule stolz auf sie ist.

Die Schule entwickelt eine Kultur der Anerkennung: Anlässe, Formen und Verfahren der öffentlichen Würdigung von Personen und ihren Leistungen.
Die Mitglieder der Schulgemeinschaft zeigen, worauf und warum die Schule stolz ist.

 

 

 

2.4 Differenzierung

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An der Sache orientierter Unterricht ist auf Gemeinsamkeit und Vielfalt angelegt: gemeinsame Lern- und Verstehensprozesse, verbunden mit inhaltlichen Varianten, unterschiedlichen Zugängen und Methoden. Das systematische Fortschreiten bemisst sich an der aufsteigenden fachlichen Progression in individueller Abstufung. Für erfahrungsorientiertes Lernen (Erlebnis, Anschauung, Anwendung) ist eine Vielfalt der Zugänge und Möglichkeiten konstitutiv. Üben, Wiederholen, Festigen geschieht an Aufgaben, die den individuellen Möglichkeiten und Lernständen gerecht werden.

Unterricht wird in zusammenhängenden thematischen Einheiten geplant. Das schuleigene Curriculum weist fachliche Mindeststandards für alle Fächer aus, in denen gemeinsame Lerninhalte und -verfahren als systematische Progression sichtbar werden.Erfahrungsorientiertes Lernen (z.B. Projekte) mit individuell unterschiedlichen Zugängen bildet den Kern des schuleigenen Curriculums und der Unterrichtsplanung im Jahrgangsteam. Materialien werden gesammelt und sind einsehbar.Ein Übungs-Curriculum ist Teil der Unterrichtsplanung. Die Materialien werden gesammelt und sind einsehbar.

Die fachlichen Anforderungen sind als gedachte systematische Progression (Mindeststandards) vorgegeben. Sie gelten nicht als Jahrgangsnormen.

Die zeitliche Planung lässt genügend Raum für individuelles Lernen.

Der Stundenplan begünstigt individualisierende Lernformen (ausgewiesene Stunden für Freiarbeit oder thematische Blöcke mit integrierter Freiarbeit)

 

Die Lernräume sind für flexibles Arbeiten ausgelegt.

Die Klassenräume eines Jahrgangs liegen nebeneinander. Auch Verkehrsflächen (Flure) und Lernräume werden für das Arbeiten in Kleingruppen genutzt, die Möbel sind entsprechend angeordnet. Internet-Plätze sind verfügbar und zugänglich.

 

 

Materialien und Hilfsmittel sind übersichtlich angeordnet, leicht zugänglich und entsprechen den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler

Zur Unterrichtsplanung der Jahrgangsteams gehört das Zusammenstellen eines Material-Pools.

 

Bücher zum Thema sind in reicher Auswahl vorhanden.

Die Schule verfügt über eine entsprechende Ausstattung: Sie hat eine eigene Bibliothek oder nutzt eine nahe Stadtteil-Bibliothek. Frei zugängliche Internet-Plätze stehen zur Verfügung.

 

Die unterschiedlichen Lernstände innerhalb einer Lerngruppe sind allen Lehrenden bekannt, ebenso individuelle Fördermaßnahmen.

Förder- und Differenzierungsmaßnahmen werden in der Jahrgangskonferenz beraten. Für deren Arbeit sind im Konferenzplan regelmäßige Zeiten vorgesehen.

Beratungszeiten sind im Zeit-Budget verpflichtend vorgesehen und anerkannt.

Jede Unterrichtssequenz ermöglicht und fördert individuell unterschiedliche Lern- und Leistungsprofile.

 

Alle Fächer sind gleichwertig, es gibt keine Haupt- und Nebenfächer. Abschlüsse werden als Anschlüsse definiert und nach unterschiedlichen Profilen vergeben. Diese bestehen aus Modulen, die nach einem Punktsystem berechnet werden, verschiebbar und ergänzbar sind (Prinzip Durchlässigkeit).

Das Unterrichtsangebot der Schule ermöglicht und fördert individuell unterschiedliche Lern- und Leistungsprofile (Pflicht- und Wahlunterricht).

Das Unterrichtsangebot der Schule ist auf das Zusammenspiel von Pflicht- und Wahlkursen angelegt.

 

Die Wahlangebote sind gleichwertig; mit jedem Wahlprofil ist jeder Abschluss erreichbar.

 

 

2.5 Qualitätskriterien für/ Bewertung und Präsentation von Leistungen

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Individuelle Lernwege und Lernergebnisse werden in geeigneter Form dokumentiert (Logbuch, Lerntagebuch, Portfolio...)

Zentrale Maßstäbe für das Schulcurriculum sind Individualisierung und Differenzierung.
Den inhaltlichen Bausteinen entsprechen Bausteine für die Präsentation und Bewertung von Leistungen.

Unterschiedliche Formen von Leistungen (Projektergebnis, Portfolio, Gruppenbericht...) werden als gleichwertig anerkannt. Prozess- und Produktbewertung sind gleichwertig. Die Qualität der Präsentation wird in die Bewertung von Leistungen einbezogen. Individuelle Formen der Leistungsbewertung (Portfolio, Zertifikate…) werden als gleichwertig anerkannt.

Für diese Dokumentation ist der einzelne Schüler/die einzelne Schülerin verantwortlich. Zugleich bieten diese Dokumente einen Überblick über Unterrichtsinhalte und geforderte Leistungen.

Die Leistungsbewertung orientiert sich an der individuellen Leistung. Ihr Bezugsrahmen ist der zurückgelegte Lernweg und sein Ergebnis, bezogen auf das individuelle Leistungsvermögen.

Defizite werden als individuell erreichbare Ziele und konkrete Lernschritte zurückgemeldet.

 

 

3. Schule als Gemeinschaft – Demokratie lernen und leben
Demokratie und Schule sind wechselseitig aufeinander angewiesen. Die Schule muss selbst ein Vorbild der Gemeinschaft sein, zu der und für die sie erzieht. Sie muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen, dass es auf sie ankommt, dass sie gebraucht werden und „zählen“. Sie muss ihnen die Zuversicht mitgeben, dass das gemeinte gute Leben möglich ist, dass es dabei auf jeden Einzelnen ankommt, dass Re-geln und Ordnungen hilfreich und notwendig sind. Zu diesem guten Leben gehört, dass die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Menschen als Reichtum angesehen wird, dass Schwächere geschützt werden, dass die gemeinsam festgelegten Regeln und geltenden Werte dem Egoismus der Einzelnen Grenzen setzen. Dazu gehört auch die Erfahrung von gemeinsamen Festen, Feiern und Reisen, von selbst gestalteter freier Zeit und Diensten an der Gemeinschaft, von Orientierung in der Arbeitswelt und der Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft. Die Werte, zu der die Schule erzieht, müssen mehr als „Unterrichtsstoff“ sein; Selbstständigkeit und Verantwortung, Solidarität und Hilfsbereitschaft, Empathie, Zu-wendung und Mitleid müssen im Alltag gelebt werden. Die Zukunft der „Bürgergesellschaft“ hängt auch davon ab, ob und wie die nachwachsende Generation sich ihre kulturelle Überlieferung und ihre Werte aneignet; dazu gehört auch, andere Kulturen zu verstehen und achten zu lernen.

Die Standards zu dieser Vorgabe sind nach folgenden Rubriken differenziert:
1. Achtungsvoller Umgang/Schulklima
2. Schule als Lebens- und Erfahrungsraum
3. Schule als demokratische Gemeinschaft und Ort der Bewährung
4. Öffnung der Schule/Teilhabe an der Gesellschaft


3.1 Achtungsvoller Umgang/Schulklima

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Die Schülerinnen und Schüler erfahren an ihrer Schule, dass Menschen achtungsvoll miteinander umgehen.

Grundsätze und Grundregeln des gegenseitigen Umgangs sind im Programm der Schule verankert. Diese Vereinbarung ist allen Beteiligten (Lehrer, Eltern, Schüler) bekannt und wird von ihnen akzeptiert (z.B. Schulvertrag). Die Formen des Umgangs miteinander sind als fortlaufende Aufgabe in die Schulentwicklung einbezogen.

Schulen können mit Eltern sowie mit den Schülerinnen und Schülern verbindliche Vereinbarungen treffen.

Der gegenseitige Umgang orientiert sich an der „goldenen Regel“ der Empathie und Gegenseitigkeit (Reversibilität).

Sie lernen, die Formen des gegenseitigen Umgangs achtsam wahrzunehmen und bewusst zu pflegen.

Sie erfahren und praktizieren Formen der Höflichkeit, die sie im Austausch mit anderen reflektieren und akzeptieren.

In den Gruppen werden Umgangsformen, Regeln und Rituale vereinbart, reflektiert und in altersgemäßer Form dokumentiert.
Im Stundenplan sind feste Zeiten für Gruppen-angelegenheiten vorgesehen.


Das Curriculum der Schule sieht vor, wie gemeinsam vereinbarte Elemente der Sprachkultur in altersgerechter Form vermittelt werden.

Die Gruppen legen ihre Gesprächsregeln schriftlich fest.

Die Stundentafel weist feste Zeiten für Gruppenangelegenheiten aus („Klassenratsstunde“ und andere Formen der Beratung, beispielsweise Jungen- und Mädchenkonferenzen); diese werden im Zeitbudget der betreuenden Lehrerinnen und Lehrer ausgewiesen und voll angerechnet.

Sie erfahren und praktizieren Rituale, deren Sinn und Grenzen sie im Austausch mit anderen reflektieren und akzeptieren.

Sie erfahren, dass sie in der Schule gehört werden, so wie sie anderen zuhören, dass das, was sie vorzubringen haben, wichtig ist und „zählt“.

Sie achten auf ihre Sprache und lernen, die Wirkung von Sprache gemeinsam zu reflektieren.

Sie lernen, durch bewusstes Sprachverhalten der Unachtsamkeit und Verrohung der Sprache entgegenzuwirken.

Sie lernen, Gespräche aufmerksam und diszipliniert zu führen. Sie vereinbaren Gesprächsregeln und achten auf ihre Einhaltung.

 

Sie lernen, Konflikte als zum Leben gehörig anzunehmen, offen anzusprechen, sie friedlich und vernünftig zu lösen. Sie lernen schrittweise Formen und Verfahren konstruktiver Konflikt-Bearbeitung.

Die Regelung von Konflikten ist Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer. Dafür ist Zeit vorgesehen. Das Schulcurriculum sieht Formen und Verfahren der Konfliktregelung als verbindliche Vorgabe vor.

Strategien der Konfliktbewältigung gehören zum Programm der Lehrerausbildung.

Sie lernen, mit Sachen achtsam umzugehen und sie als Bestandteil des gemeinsamen Lebens zu respektieren.

Das Schulprogramm sieht institutionalisierte Versammlungen kleinerer oder größerer Gruppen oder der Schulgemeinschaft vor. Grenzüberschreitungen, gemessen an den für die Schule geltenden Normen, werden als solche bewusst gemacht und nicht geduldet. Sie werden durch geeignete Formen der Wiedergutmachung beantwortet. Auch Erwachsene müssen sich diesem Verfahren unterwerfen und sich ggf. vor dem Klassenrat verantworten.

Die üblichen Sanktions-Maßnahmen werden ergänzt, teilweise ersetzt durch einen Katalog möglicher Sozialdienste.

Sie lernen, Grenzen als begründeten Schutz des gemeinsamen Lebens zu respektieren und Grenzüberschreitungen nicht passiv hinzunehmen.

 


3.2 Schule als Lebens- und Erfahrungsraum

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Die Schülerinnen und Schüler erleben die Schule als einen Lebensort, wo sie sich wohl fühlen und unter-schiedlichen Bedürfnissen nachgehen können:

• In der Schule wird ihnen gutes, nahrhaftes Essen geboten.

• Sie finden in der Schule viele Gelegenheiten für Bewegung, Spiel und Sport.

• Sie finden in der Schule geschützte Ruheräume, die Stille ermöglichen.

• Sie finden in der Schule viele Gelegenheiten für musisches und handwerkliches Tun.

Die Gestaltung der Schule und ihres Umfelds ist Bestandteil des Schulprogramms. In der Schule stehen ansprechend und funktional ausgestattete Räume für gemeinsame Mahlzeiten zur Verfügung. Das angebotene Essen ist abwechslungsreich und gewährleistet eine gesunde Ernährung. Die Gestaltung der Mahlzeiten ist ein Baustein der Schulkultur. Die Schule ist durch kind- und jugendgerechte Anlagen als „bewegte Schule“ ausgestattet. Die Anlagen sind den Tag über zugänglich. Das Schulgelände ist nach pädagogischen Gesichtspunkten funktional und abwechslungsreich gestaltet. Die Schule ist mit altersgerecht unterschiedlichen Räumen und Lerngelegenheiten ausgestattet, die zu musischem und handwerklichen Tun einladen. Diese sind den Tag über zugänglich. An den Lernorten sind zu bestimmten, allen bekannten Zeiten Experten aus verschiedenen Berufen tätig, die zum Personal der Schule gehören. Die Gestaltung des Schullebens und seiner besonderen Höhepunkte werden in einem Jahresplan festgehalten. Die Schule hat eine etablierte Festkultur.

Die Ausstattung der Schulen entspricht den Anforderungen gesunder Ernährung und eröffnet vielfältige Bewegungsmöglichkeiten.
Die Richtlinien für Schulbau und für die Gestaltung des Schulgeländes orientieren sich an pädagogischen Kriterien. Sie gewährleisten, dass die Schule unterschiedlichen Bedürfnissen und Begabungen durch eine flexible Ausstattung gerecht werden kann. Experten aus unterschiedlichen Berufsgruppen gehören zum Personal der Schulen.

Sie erleben das Schuljahr als rhythmisierte Zeit mit besonderen Höhepunkten (Festen, Präsentationen, gemeinsamen Aktionen…) Feste werden gemeinsam vorbereitet und gestaltet.

 

 

Die Schülerinnen und Schüler erleben den Schultag als rhythmisierte Zeit: Konzentration und Entspannung, Ruhe und Bewegung, „kopflastiges“ und praktisches Lernen, Unterricht und Freizeit bilden eine ausgewogene Balance.

Der Stundenplan wird nach dem Kriterium der Ausgewogenheit gestaltet. Rhythmisierung und Kontinuität der Tagesgestaltung gehören zum pädagogischen Programm. Die Schule hat eine etablierte Pausenkultur: Sie stellt vielfältige Möglichkeiten zur individuell unterschiedlichen, aktiven Gestaltung der Pausen zur Verfügung.

Die Schule kann die zur Verfügung stehende Zeit nach pädagogischen Kriterien frei gestalten.

Die Schülerinnen und Schüler gestalten ihre Lern-umgebung verantwortlich nach eigenen Vorstellungen. Sie übernehmen Ämter und Dienste im Rahmen des Gruppen- und Schullebens.

Die Schule setzt Maßstäbe für die Gestaltung der Räume und lässt Spielraum für besondere Wünsche der Gruppen. Ämter und Dienste für alle sind im Schulprogramm vorgesehen, die Form altersgerecht unterschiedlich.

Die Schulen haben die Freiheit, die Räume nach pädagogischen Kriterien selbst zu gestalten.

Die Schülerinnen erleben kulturelle Tätigkeiten in altersgerechter Form als Bestandteil des gemeinsamen Lebens. Dafür sind besondere Zeiten und Formen der Präsentation vorgesehen.

Kulturelle Darbietungen und Ereignisse sind ein fester Bestandteil des Schullebens. Es gibt dafür besondere Zeiten und Formen (Versammlungen, Monatsfeiern…) sowie Räume.

Die Schulen sind so ausgestattet, dass die räumlichen, personellen und materiellen Voraussetzungen zur Gestaltung des kulturellen Lebens gegeben sind.

Die Schülerinnen und Schüler erfahren bei unterschiedlichen Anlässen, wie ihre Gruppe sich den Eltern präsentiert und diese in ihr Leben einbezieht.

Die Eltern sind in das Schulleben einbezogen. Dafür gibt es institutionalisierte Anlässe und Formen.

 

 



3.3 Schule als demokratische Gemeinschaft und Ort der Bewährung

Standards für pädagogisches Handeln Standards für schulische Rahmenbedingungen Standards für systemische Rahmenbedingungen

Die Schülerinnen und Schüler erleben täglich, dass und wie sie gemeinsame Angelegenheiten miteinander regeln können. Sie lernen, sich für solche Gespräche gemeinsame Regeln zu geben.Sie lernen schrittweise geeignete Verfahren der Strukturierung solcher Gespräche.

Politik als „bewegliche Regelung gemeinsamer Angelegenheiten“ (Hartmut von Hentig) gehört als fester Bestandteil zum Programm und Curriculum der Schule. Dafür werden feste Zeiten und altersgerecht unterschiedliche Formen zur Verfügung gestellt (vom Klassenrat bis zur Schulversammlung). Der Ablauf, die Formen und Verfahren solcher Versammlungen werden gemeinsam eingeübt. Sie sind allen Beteiligten bekannt.

Die Stundentafel weist feste Zeiten für Gruppenangelegenheiten aus („Klassenratsstunde“ und andere Formen der Beratung, beispielsweise Jungen- und Mädchenkonferenzen); diese werden im Zeitbudget der betreuenden Lehrerinnen und Lehrer ausgewiesen und voll angerechnet.

Die Schülerinnen und Schüler erleben täglich, dass und warum sie Verantwortung für sich und andere übernehmen müssen – nicht nur für das eigene Lernen, sondern auch für das gemeinsame Leben. Die Gruppe berät und beschließt gemeinsam über die zu leistenden Arbeiten und Dienste. Die Schülerinnen und Schüler wachsen schrittweise in die Verantwortung Erwachsener hinein. Sie erleben, dass die Gemeinschaft ihren Einsatz braucht und verlangt. Sie lernen, ihre Standpunkte und Interessen zu entwickeln, sich bewußt zu machen und mit anderen abzugleichen, gemeinsame Ziele und Vorschläge zu artikulieren und selbstbewusst und angemessen zu vertreten.

Die Schule hat ein altersgerecht gestuftes „Dienste- und Ämter-Curriculum“: für gruppenspezifische und allgemeine Angelegenheiten (z.B. Reinigung des Schulgeländes, Busbegleitung, Lotsendienst, Cafeteria ...). Das Schulcurriculum sieht besondere Anlässe für eigenverantwortliche Tätigkeiten vor (Projekte, Reisen, Sozialdienste, Praktika, politische Initiativen, selbstständige Recherchen, Betreuung von Kindern durch Ältere ...). Die Schule kann eigene Firmen betreiben und Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Aufgaben betrauen.

Die Schule ist berechtigt, den Schülerinnen und Schülern zunehmend verantwortliches und selbstständiges Handeln (auch außerhalb der Schule) zuzumuten. Die Schule kann eigene Firmen betreiben und Verträge abschließen.

Die Schülerinnen und Schüler erleben, dass es in ihr eindeutige Wertmaßstäbe gibt, deren Geltung von ihnen eingefordert wird und werden kann.

Die Schule hat in ihrem Leitbild verankert, nach welchen Maßstäben Verantwortung eingefordert und Handeln bewertet werden kann. Es gehört zu den Aufgaben aller Erwachsenen, diese Maßstäbe immer wieder bewusst zu machen.

 

Unterschiedliche Wertmaßstäbe und Verhaltensweisen werden bewusst gemacht, Toleranzgrenzen werden ausgehandelt.

Alle Schüler und Eltern sind, ungeachtet ihres kulturellen Hintergrunds, dem Leitbild der Schule verpflichtet.

Die Schule ist berechtigt, verpflichtende Vereinbarungen mit Eltern zu treffen (Schulvertrag) und diese Verträge ggf. auch zu kündigen.

Vorstellungen über das eigene und das andere Geschlecht und deren Verhaltensweisen werden thematisiert und reflektiert.

Es gehört zu den Aufgaben aller Erwachsenen, Mädchen und Jungen bei ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisation sensibel und einfühlsam zu begleiten, stereotypen Vorstellungen und verfestigtem „Rollenverhalten“ entgegenzuwirken. Die Schule entwickelt nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten „Bausteine“ für eine geschlechterbewusste Pädagogik.

 

 


3.4 Öffnung der Schule/Teilhabe an der Gesellschaft

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Die Schülerinnen und Schüler erfahren im Schulalltag, dass und wie das schulische Umfeld in ihr Leben und Lernen einbezogen wird.

Die Schule gestaltet ihr Umfeld nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten: nach pädagogischen und ästhetischen Kriterien (vgl. Abschn. 3.2).

Zur Gestaltung des Schulgeländes nach pädagogischen Kriterien stehen angemessene Mittel zur Verfügung.

Sie erkunden die umgebende Natur und lernen, sich in und zu ihr verantwortlich zu verhalten.

Die Schule bezieht den Umgang mit der Natur in ihr Curriculum und ihre Alltagsplanung nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten ein. (Tierhaltung, Schulgarten, Schulbauernhof, Erkundungsgänge und Exkursionen, Pflege des Schulgeländes, ökologische „Patenschaften“...)

Sie erfahren den Schutz der Umwelt als tägliche Aufgabe und lernen, welche Einrichtungen sie dabei konsultieren können.

In der Schule wird Umweltschutz planvoll und in altersgerechter Stufung betrieben. (Gestaltung des Schulgeländes, Projekte in Zusammenarbeit mit kommunalen und überregionalen Einrichtungen)

 

Sie lernen, sich im Straßenverkehr verantwortlich und regelgerecht zu verhalten.

Die Schule hat ein altersgerecht gestuftes Curriculum zur Verkehrserziehung mit festen Bausteinen (z.B. Fahrrad-Führerschein)

 

Sie erkunden ihren Stadtteil/ihre Stadt und lernen schrittweise, sich dort selbstbewusst und verantwortlich zu verhalten.

Das Schulcurriculum sieht – in altersgerechter Stufung – Anlässe, Orte und Lerngelegenheiten vor, das kommunale Umfeld planvoll in den Unterricht einzubeziehen.

Die Schule kann Lernzeiten flexibel planen, so dass außer-schulisches Lernen Bestandteil des Unterrichts ist.

Sie lernen Kirchen, Moscheen, Synagogen und andere religiöse Einrichtungen der Kommune kennen – ungeachtet ihrer religiösen Zugehörigkeit.

Die in der Schule gelebte religiöse Toleranz ist verbunden mit dem Kennenlernen unterschiedlicher Glaubensrichtungen, wie sie sich in der Kommune darstellen, und der entsprechenden Einrichtungen.

 

Die Schülerinnen und Schüler lernen schrittweise unterschiedliche Berufsfelder und Tätigkeiten kennen, die in ihrer Kommune repräsentiert sind.

Die Schule hat ein altersgerecht gestuftes Curriculum zur Orientierung in der Berufswelt: Besuche von Eltern an deren Arbeitsplatz; Vorstellung von Berufen der Eltern in der Schule;Besuch von Firmen, Läden, Betrieben im Umfeld der Schule; Erkundung von Berufsbildern; Betriebspraktika; individuelle Berufsberatung; Seminare zur Orientierung und Lebensplanung, Die Schule hat institutionalisierte Kontakte mit Betrieben

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben wird gefördert und gesetzlich verankert:Betriebspraktika werden als Unterrichtsveranstaltungen anerkannt;Schülerinnen und Schüler können (in Absprache zwischen Betrieb und Schule) in bestimmten Altersstufen für einen längeren Zeitraum regelmäßig zwei bis drei Wochentage im Betrieb verbringen.

Sie besuchen regelmäßig die kulturellen Einrichtungen der Kommune. (Theater, Museum ...)

Es gehört zum Curriculum der Schule, die Schülerinnen und Schüler zu verständiger Teilhabe an der kommunalen Kultur zu befähigen, deren Bedeutung sie an sich selbst und anderen erfahren.

 

Sie lernen die unterschiedlichen kommunalen Verantwortlichkeiten und die entsprechenden Institutionen kennen. (Polizei, Beratungsstätten, Gericht ...)

Das Hineinwachsen in die „große“ Gesellschaft erfahren die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichen Stufen: der Schulgemeinschaft, der Kommune, der überregionalen Einrichtungen und engagieren sich in bestehenden Kinder- und Jugendparlamenten.Sie lernen gesellschaftliche Einrichtungen und deren Funktionen auf kommunaler Basis kennen (in altersgerechter Stufung).

 

Sie lernen Politik „hautnah“ kennen durch den Besuch von Parteien und deren Repräsentanten bzw. von politischen Institutionen.

Das Hineinwachsen in die „große“ Politik erfahren die Schülerinnen und Schüler durch die Begegnung mit deren Repräsentanten; zunächst auf kommunaler, später auf regionaler und überregionaler Basis. (Interviews, Besuch von Parteien, Parlamenten ...)

 

Die Schülerinnen und Schüler lernen Besonderheiten ihrer Region aus eigener Anschauung kennen.

Exkursionen, Wanderungen, Fahrten zum Kennenlernen der Region sind Bestandteile des Schulcurriculums („Reisecurriculum“).

 

Sie erleben Reisen als festen Bestandteil des Schuljahres und erfahren, wie sich ihr Horizont schrittweise erweitert.

Die Schule hat ein altersgerecht und inhaltlich gestuftes Reise-Curriculum.Es reicht von Reisen in die nähere Umgebung (Primarstufe) über projektbezogene Reisen (z.B. Meer, Bauernhof), Abenteuer- und Naturreisen mit Selbstversorgung (Zelten, Skihütte...), Austauschfahrten (Englisch als Verständigungssprache) bis zu Kulturreisen in ein europäisches Land.

Die Schule kann Schülerinnen und Schüler für individuellen Schüleraustausch für längere Zeit vom Unterricht beurlauben.Im Rahmen von Schulpartnerschaften können erweiterte Formen von Schüleraustausch geschaffen werden.

Sie erleben bei verschiedenen Anlässen, was und wie die „große“ Welt mit ihrem Leben zu tun hat und was es bedeutet, in einer Welt zu leben. Sie pflegen eine Partnerschaft mit einer Schule in einem außereuropäischen Land.Sie leisten aktiven Einsatz im Rahmen von Aktionen der Schule.

Im Schulleben und im Unterricht werden Anlässe, sich für globale Ziele (Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Toleranz zwischen den Kulturen, Menschenrechte) aktiv einzusetzen, als Lerngelegenheiten wahrgenommen.Die Schule arbeitet mit internationalen Institutionen (UNESCO, Terre des Hommes, ...) zusammen.Die Schule geht mindestens eine Partnerschaft mit einer Schule in einem außereuropäischen Land ein.

Sie erweitern schrittweise ihren kulturellen Horizont, sie wachsen in den europäischen Kulturraum und in das Zusammenleben der Kulturen hinein:Sie lernen (in der Regel) zwei Fremdsprachen, sie haben Kontakte mit Partnerschülern, sie lernen auf Reisen andere Lebensgewohnheiten kennen, sich fremden Kulturen zu öffnen und sich zunehmend selbstständig in ihnen zu bewegen.

Die Schule entwickelt altersgerechte Formen der Teilhabe an europäischer Kultur: im Unterricht (Fremdsprachen, Geschichte/Politik, Kunst...), durch mediale Kontakte, durch Austausch mit Gästen aus europäischen Ländern auf individueller oder Gruppenbasis, durch Kulturreisen.

 

 

4. Schule als lernende Institution – Reformen „von innen“ und „von unten“
Die Schule muss auch darin Vorbild sein, dass sie selbst mit dem gleichen Ernst lernt und an sich arbeitet, wie sie es den Kindern und Jugendlichen vermitteln will. Sie muss eine sich entwickelnde Institution sein und sich zugleich treu bleiben. Ihre Arbeit ist nie „fertig“, weil sie auf sich wandelnde Bedingungen und Anforderungen jeweils neu antworten muss. Ihre Qualität bemisst sich daran, was sie tut, um solche Antworten zu finden. Dazu braucht die Schule Freiraum und übernimmt Verantwortung: für Beobachtung, Kritik, Verständigung und Umsetzung der Ergebnisse in Re-formarbeit. Sie muss in der Überzeugung arbeiten können, dass eine bessere Pädagogik nicht „von außen“ und „von oben“ verordnet, sondern jeweils neu mit dem Blick auf die Kinder und Jugendlichen „von innen“ und „von unten“ entwickelt werden muss.

Die Standards zu dieser Vorgabe sind nach folgenden Rubriken differenziert:
1. Schulprofil und Schulentwicklung
2. Arbeitsklima und Organisation
3. Evaluation
4. Fortbildung

 

4.1 Schulprofil und Schulentwicklung

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Alle an der Schule arbeitenden Erwachsenen (Schulleitung, Kollegium und weitere Mitarbeiter) handeln entsprechend dem Leitbild der Schule. Die gegenseitige Verständigung auf dieser Grundlage, die Offenlegung und Behebung von Konflikten gehört zu ihrer Professionalität.

Die Schule hat ein Leitbild, dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schülerinnen und Schüler und Eltern verpflichtet sind. Dieses ist nicht dogmatisch vorgegeben, sondern spiegelt einen Konsens wider, der durch einen fortlaufenden Verständigungsprozess gesichert wird. Das Leitbild gibt die generellen Orientierungen vor, die im Schulprofil konkretisiert sind und die Basis für die weitere Entwicklung bilden.

Die Schule kann Lehrerinnen und Lehrer auswählen. Die Schule ist berechtigt, verpflichtende Vereinbarungen mit Mitarbeitern und Eltern zu schließen. Eine Schule hat Mittel für kollegiale Beratung, Supervision und Mediation.

Im Schulalltag konkretisiert sich die Orientierung am Leitbild auf mehreren Ebenen: im täglichen Umgang miteinander, im Zusammenleben der Gruppen, im Unterricht, im Schulleben.

Im Schulprofil kommt zum Ausdruck, wie die Schule ihr Leitbild operationalisiert: durch verbindliche Regeln des gemeinsamen Umgangs und des Zusammenlebens der Gruppen, durch eine gemeinsame Gesprächskultur, durch den Umgang mit Sachen und mit dem Gebäude, durch die Art der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten und den Umgang mit Konflikten, durch die Art, wie Lernen und Leistung angeleitet, eingefordert, bewertet und anerkannt werden, durch die Unterrichtsorganisation, durch die Gestaltung gemeinsamer Projekte, Feste und Feiern.

 

 

Die Lehrerinnen und Lehrer orientieren sich bei der Planung des fachlichen und überfachlichen, schulischen und außerschulischen Lernens an den Prinzipien und Vorgaben des Schulcurriculums.

Der schulinterne Lehrplan (Schulcurriculum) konkretisiert das Schulprofil auf der Basis fachlichen und überfachlichen, schulischen und außerschulischen Lernens u.a. auf folgenden Gebieten: Gesprächskultur, Konfliktregelung, geschlechtsspezifische Pädagogik, Umweltschutz, Gestaltung des Umfelds, Gesundheitserziehung, musische Bildung/Kultur, demokratisches Handeln, Öffnung der Schule, Internationalisierung (interkulturelles Lernen, Austausch, Reisen ...). Das Schulcurriculum weist aus, wie Unterrichtsinhalte und Jahrespläne mit den Lehrplan-Vorgaben übereinstimmen.

Für die Arbeit am Schulcurriculum und für Schulentwicklung stehen den Schulen Ressourcen zur Verfügung. Die Zeit dafür wird in der Budgetierung berücksichtigt. Die Schulen werden bei ihrer Entwicklungsarbeit auf Wunsch durch externe Moderatorinnen / Moderatoren unterstützt. Für Schulentwicklungs-prozesse können die Schulen Steuergruppen benennen, die für ihre Arbeit entlastet werden.

Im Rahmen der Schulentwicklung arbeiten die Lehrerinnen und Lehrer daran, nach gemeinsam akzeptierten Vorgaben, Zielen und Verfahren das Schulprofil zu schärfen bzw. weiter zu entwickeln. Die Eltern und Schüler sind an diesem Prozess beteiligt.

Die Entwicklung und Veränderung des Schulprogramms (Schulentwicklung) vollzieht sich auf der Grundlage des Schulprofils und des Schulcurriculums. Schulentwicklung wird nach einem festgelegten, gemeinsam vereinbarten Verfahren gesteuert. Diese Aufgabe wird von einer Gruppe (Steuergruppe) übernommen.

 

4.2 Arbeitsklima und Organisation

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Die Erwachsenen gehen höflich und achtsam miteinander um. Konflikte und Störungen werden offen angesprochen und gemeinsam bearbeitet.

Die Schule hat eine Kommunikationskultur, deren Pflege Aufgabe aller Erwachsenen ist. Dafür sind verschiedene Formen entwickelt (z.B. Lehrercafé, Pausentreff, private kollegiale Gesprächskreise, institutionalisierte Formen der Konfliktbearbeitung (u.U. mit externer Moderation). Die Räume für Erwachsene sind arbeits- und kommunikationsfreundlich, d.h. funktional und ansprechend gestaltet.

 

Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten mit ihren Fach- und Jahrgangskollegen eng zusammen, nach Möglichkeit in einem festen Jahrgangsteam. Sie bringen ihre Fachkompetenz in die Teamarbeit ein, sind aber auch bereit, sich in übergreifende Projekte einzuarbeiten und (in begrenztem Rahmen) fachfremd zu unterrichten.

Im Konferenzplan ist nicht nur Zeit für Fachkonferenzen vorgesehen, sondern auch für Unterrichtsplanung auf Teambasis. In den Teams sind alle Fachkompetenzen vertreten. Um personelle Kontinuität zu gewährleisten, kann Unterricht auch fachfremd erteilt werden. Den Teams stehen Räume zur Verfügung, wo (nach Möglichkeit) auch Materialien gelagert werden können.

Zeit für Teamarbeit und Konferenzen ist im Budget verpflichtend vorgesehen und wird angemessen angerechnet. Fachfremder Unterricht im Rahmen von Jahrgangsteams wird unterstützt, wenn die fachlichen Kompetenzen im Team vorhanden sind.

Die Erwachsenen verbringen den größten Teil ihrer Arbeitszeit in der Schule. Sie finden für ihre Arbeit gute Bedingungen vor.

Die Lehrerarbeitsplätze sind funktional und modern ausgestattet (Schreibtisch, Rechner, Ablagemöglichkeiten).

Für die Ausstattung der Lehrerarbeitsplätze stehen genügend Mittel zur Verfügung.

Die Lehrerinnen hospitieren untereinander und unterrichten zeitweise zu zweit (team-teaching).

In der Unterrichtsverteilung ist für bestimmte Zwecke stundenweise Doppelbetreuung vorgesehen.

Für zeitweise Doppelbetreuung stehen besondere Ressourcen zur Verfügung.

 

Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten eng mit sozialpädagogischen Fachkräften zusammen.

Die Schule stellt nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten nicht nur Lehrerinnen und Lehrer ein, sondern auch sozialpädagogische Fachkräfte.

Für den Einsatz sozialpädagogischer Fachkräfte stehen besondere Ressourcen zur Verfügung.

Im Rahmen der Schulentwicklung arbeiten die Lehrerinnen und Lehrer an Arbeitsgruppen ihrer Wahl mit.

Die pädagogischen Schwerpunkte (z.B. Gestaltung des Schulgeländes, Umweltschutz, Wahlbereich, Austauschfahrten, Partnerschule ...) werden durch kollegiale Arbeitsgruppen getragen.

Im Zeitbudget der Lehrerinnen und Lehrer werden besondere Tätigkeiten im Rahmen der pädagogischen Schwerpunkte der Schule angemessen verrechnet.

Die Lehrerinnen und Lehrer nehmen an Konferenzen nicht nur teil, sondern sind mitverantwortlich für deren Planung und Gestaltung und verantworten die gemeinsam gefassten Beschlüsse.

Die Reihenfolge und inhaltliche Planung der Konferenzen wird in einem Konferenzplan für das Schuljahr festgelegt, der im Kollegium beraten und abgestimmt wird. Die im Turnus tagenden Konferenzen (Lehrer- und Schulkonferenzen, Fach- und Jahrgangs- bzw. Stufenkonferenzen) wechseln mit Arbeitssitzungen im Rahmen der Schulentwicklung (Jahresthema).

Konferenzzeiten werden im Zeitbudget der Lehrerinnen und Lehrer angemessen berücksichtigt und verrechnet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule – auch die nicht unmittelbar pädagogisch tätigen – erfahren die Gemeinschaft der Erwachsenen als einen besonderen, von ihnen gestalteten Bereich der Schulkultur.

Das Selbstverständnis der Schule drückt sind auch im Umgang der Erwachsenen miteinander aus: durch Feste und Rituale (Begrüßung, Geburtstage, Verabschiedung), durch gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen.

 

Die Schulleitung berät, koordiniert, unterstützt und initiiert die Arbeitsprozesse im Rahmen der Schulentwicklung. Sie setzt die im Leitbild der Schule verankerten Überzeugungen in eigenes Handeln um.

Entscheidungsprozesse sind transparent und demokratisch.Die Schulleitung „regiert“ nicht durch eigene Entscheidungen, sondern hält sich an die gemeinsamen demokratischen Verfahren und an die Beschlüsse des Kollegiums.

Bei der Wahl der Schulleitungsstellen ist das Kollegium in angemessener Weise beteiligt.

 

4.3 Evaluation

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Die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überprüfen gemeinsam die Prozesse und Ergebnisse ihrer Arbeit, tauschen Erfahrungen und Beobachtungen aus und werten diese aus.

Sie wenden dabei geeignete Verfahren und Methoden an und sind in deren Gebrauch geschult bzw. lassen sich darin fortbilden.

Sie lassen ihre Arbeit auch durch externe Evaluation überprüfen, wenn die Schule deren Vorhaben, Zielen und Verfahren zustimmt.

Sie sind bereit, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Zugleich bringen sie sich und ihr Expertentum aktiv in die Forschungsprozesse ein und beteiligen sich an der Interpretation der Ergebnisse.

Sie beteiligen sich daran, die Ergebnisse der Evaluation nach gemeinsam beschlossenen Verfahren in der Praxis zu implementieren.

Die Entwicklungsarbeit der Schule ist auf Beobachtung, Kritik, gemeinsame Reflexion, also auf Evaluation angewiesen.

Die Schule ist in diesem Sinne selbstreflexiv und selbstkritisch, indem sie die eigene Arbeit an selbst gesetzten Zielen überprüft.

Die Planung und Durchführung schulinterner Evaluationsmaßnahmen wird von einer Steuergruppe koordiniert. Peer-reviews durch aussenstehende Pädagogen werden als Mittel der kollegialen Selbstvergewisserung durchgeführt.

Mit weiteren Evaluationsvorhaben, die die Schule nicht aus eigener Kraft bewältigen kann, werden externe Evaluatoren beauftragt.

Die Anlage und Zielsetzung der Evaluation sind mit der Schule abgesprochen. Bei der Interpretation der Ergebnisse wirkt die Schule in angemessener Weise mit.

Sie hat die Hoheit über die Daten. Die Ergebnisse der Evaluation werden systematisch implementiert. Dieser Vorgang wird von der Steuergruppe geplant und koordiniert.

Für schulinterne Evaluation steht den Schulen Zeit zur Verfügung. Auf Wunsch können externe Moderatoren angefordert werden. Ein Methodenrepertoire zur schulinternen Evaluation gehört zur Lehrerausbildung.

Für Evaluationsvorhaben werden den Schulen auf Wunsch besondere Fortbildungsmaßnahmen und Ressourcen zur Verfügung gestellt.

Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit externen Evaluatoren. Für die Tätigkeit der Steuergruppe sind Entlastungsstunden vorgesehen.

 

 



4.4 Fortbildung

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Die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das Recht und die Pflicht, sich regelmäßig und systematisch fortzubilden.

Sie tun dies im Rahmen der Unterrichtsplanung, des Schulprogramms und der Schulentwicklung. Bei der Unterrichtsplanung arbeiten die Team-Mitglieder so zusammen, dass sie ihr Wissen systematisch erweitern, indem sie ihre Kompetenzen austauschen und ergänzen.

Sie arbeiten dabei ggf. auch mit Vertretern anderer Berufsgruppen planvoll zusammen. Im Rahmen des Schulprogramms und der Schulentwicklung können sie zusätzliche Kompetenzen durch individuelle Teilnahme an Fortbildungskursen erwerben.

Sie nehmen sie Möglichkeit wahr, mit Institutionen zusammenzuarbeiten und so externe professionelle Kompetenzen zu nutzen.

Die schulinterne Fortbildung wird im Kontext des Schulprogramms zusammen mit den Schulentwicklungsprozessen geplant.

Die Koordination von Fortbildungswünschen und Entwicklungsvorhaben wird von der Steuergruppe in Zusammenarbeit mit der Schulleitung geleistet.

Für die Kollegiumsfortbildung werden bei Bedarf externe Experten eingeladen.

Für schulinterne Fortbildung im Rahmen der Schulentwicklung stehen mehrere Schultage im Jahr zur Verfügung.

Auch in den Ferien werden Fortbildungen angeboten. Für externe Moderatoren stehen den Schulen angemessene Ressourcen zur Verfügung.

Die Schule kann über diese Mittel frei verfügen.