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Am Tag des Mauerfalls, am 9. November 1989, traf sich – angestoßen durch die Pädagogische Arbeitsstelleder Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime (LEH) – eine Reihe „alter“ und „neuer“ reformpädagogischerSchulen in der Odenwaldschule Ober-Hambach zu einer folgenreichen Verabredung: sie wollten durchgegenseitige Besuche voneinander lernen, sich durch diese gewollten Irritationen vorm „Ausbrennen“wie vorm „Stillstand“ bewahren und sich – drittens – in bildungspolitisch dunklen Zeiten gegenseitigstützen und schützen. In diesem Kreis hatten sich 1989 zunächst nur wenige Schulen zusammengefunden: Odenwaldschule, Waldorfschule Überlingen, Hermann-Lietz-Schule, Salem, eine Montessorischuleu.a. auf der „klassischen“ Seite; Laborschule Bielefeld, Glockseeschule Hannover, Helene-Lange-SchuleWiesbaden, Bodenseeschule Friedrichshafen u.a. auf der Seite der modernen Reformpädagogik.
In der Folgezeit ist dieser Kreis zu einem Schulverbund mit über 50 Schulen aller Schulformen aus denalten und den neuen Bundesländern angewachsen, aufgegliedert in 6 Arbeitskreise (Liste der Mitgliedsschulen:siehe Anhang). Diese Arbeitskreise sind gemischt zusammengesetzt. Vertreten sind in jedemvon ihnen Schulen unterschiedlicher Schulformen, aus unterschiedlichen Bundesländern, in freier wiein öffentlicher Trägerschaft, mit unterschiedlichen reformpädagogischen Hintergründen und Traditionen– wobei es manche öffentliche Schule gibt, die erst nach der Begegnung mit ihrem Arbeitskreis bemerkthat, dass auch sie zentrale reformpädagogische Prinzipien vertritt und nach reformpädagogischen Konzeptenarbeitet.
1989 gehörten Begriffe wie „externe Evaluation“, „Schulinspektion“, „Qualitätssicherung“ noch nichtzur Pädagogensprache. Und dass die Treffen einmal als „Peer-Reviews“ bezeichnet werden müssten,wusste damals auch noch niemand. Gleichwohl ist aus diesen Besuchen eine Arbeitsform entstanden, dieauf dem Gebiet der Evaluationen ein gravierendes bildungspolitisches Dilemma lösen könnte. Einerseitsgilt: Schulen sollen selbstständig werden, das eigene Schulprogramm formulieren, ein unverwechselbaresProfil entwickeln. Andererseits gilt aber auch: Der Staat hat die legitime Aufgabe, die Qualität einerSchule zu überprüfen. Das Dilemma dabei ist: wie kann ein Überprüfungsverfahren aussehen, das dieSelbstständigkeitsforderung nicht konterkariert?
Im ersten Beitrag dieses Heftes wird Dr. Otto Seydel/Institut für Schulentwicklung Überlingen als einerder Initiatoren des Schulverbunds mit der Beschreibung des Verfahrens der „Blick-über-den-Zaun“-Schulen eine mögliche Antwort auf diese Frage vorstellen. Im zweiten Beitrag begutachtet Prof. HansBrügelmann/Universität Siegen dieses Verfahren im Licht der aktuellen erziehungswissenschaftlichenDiskussion. Er entwickelt dabei gleichzeitig ein Konzept zur gezielten Auswahl spezifischer Verfahren und Werkzeuge für die Evaluation und Qualitätsentwicklung von Reformschulen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Otto Seydel
Wie können Schulen voneinander lernen?Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten „Blick über den Zaun”
Hans Brügelmann
Scharfe Brillen, wache Augen und ein einfühlsamer Blick
Wie Schulen über die Qualität ihrer Arbeit Rechenschaft ablegen können:
Zur Bedeutung von technischer Präzision und sozialer Kontrolle beider Evaluation pädagogischer Standards
Anhang
Verzeichnis der Mitgliedsschulen











