Laborschule Bielefeld
Die Laborschule Bielefeld ist eine staatliche Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie wurde 1974 nach den Vorstellungen und unter der Leitung des Pädagogen Hartmut von Hentig gegründet. Die Laborschule besteht aus zwei selbstständigen Einrichtungen, die institutionell getrennt, in der Aufgabenerfüllung jedoch aufeinander bezogen sind.
Zur Website der Schule geht es hier.
Gruppenfahrten sind in der Laborschule keine „Ferienreisen“ für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sie sind Bestandteil der gesamten unterrichtlichen Arbeit und daher immer inhaltlich wichtig und pädagogisch prägend. Vielfältige Veröffentlichungen darüber belegen die hohe Bedeutung der Gruppenfahrten für erfahrungsorientiertes Lernen in allen Fächern. Immer wieder werden neue Konzepte erprobt, was zum Versuchsschulauftrag der Laborschule gehört. Zum Konzept: Die Laborschule verfügt über ein Reisecurriculum. Die Reisen bauen aufeinander auf, die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler wachsen von Jahr zu Jahr. Im Vordergrund steht in Stufe I und Stufe II vor allem die Gruppenbildung, da durch die Jahrgangsmischung jedes Jahr ein Drittel der Kinder neu in die bestehenden Gruppen integriert wird. Sie lernen so von den älteren die Rituale und Regeln, ihre Paten kümmern sich besonders um die ihnen zugeordneten neuen Kinder. Für all diese gruppendynamischen Prozesse sind die jährlichen Gruppenfahrten in die in der Nähe gelegenen ländlichen Gemeinschaftshäuser grundlegend. Während die Reisen in Stufe I schon allein durch die Trennung vom Elternhaus mit den gewohnten Ritualen (zum Beispiel des abendlichen Schlafengehens) wichtige Herausforderungen für die Kinder der Stufe I mit sich bringen, erweitern sich diese in der Stufe II. Nach wie vor ist die Trennung von zu Hause bedeutsam. Hinzu kommt, dass der Ort, an den die Reise geht, ein Lerngegenstand ist, der zuvor und danach im Projektunterricht zum Thema wird: Zur Zeit fährt die gesamte Stufe II mit dem Fokus auf den Lerngegenstand ‚Ökosystem Wattenmeer‘ nach Otterndorf, die Reise rund um den Lerngegenstand ‚Ökosystem Wald‘ geht nach Eisenberg in ein Waldgebiet in der Nähe von Kassel. Als drittes beschäftigen sich die Schüler*innen mit der Ostsee und dem ‚Ökosystem Wasser‘ in Grömitz. Die Fahrten ab dem 6. Schuljahr sind überwiegend Selbstversorgerfahrten zu erlebnispädagogisch herausfordernden Orten. Der Lerngegenstand in dieser Jahrgangsstufe sind naturwissenschaftliche Phänomene. Neben den Herausforderungen der vorhergehenden Stufen, die fortbestehen (weiterhin ist der Ort Lerngegenstand und/oder ein besonderes unterrichtliches Vorhaben), kommt nun die Bewährung „im Ernstfall“ hinzu. Planen, Kochen und Wirtschaften für die ganze Gruppe. Im 7. Schuljahr der Stufe III muss dies alles für zwei Wochen organisiert und durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass diese Reise eine Fahrt mit sportlichem Schwerpunkt ist, bei der in der Regel eine neue Sportart gelernt und geübt wird. Meist war es in den vergangenen Jahren das Skifahren, „Die Reise in den Schnee“ nach Mittelberg. Und natürlich ist auch dabei wieder der Ort ein wichtiger Lerngegenstand – in diesem Fall wären es beispielsweise die Alpen als durch unachtsamen Tourismus gefährdete Region. In einem umfangreichen fächerübergreifenden Projekt bereiten die Gruppen ihre Fahrt vor und stellen ihre Lernergebnisse im Anschluss an die Fahrt der Schulgemeinschaft vor. Diese Zunahme an Selbstständigkeit und Selbstverantwortung für und während der Fahrt ist zudem eine gute Vorbereitung für die in den Jahrgängen 8/9 stattfindende Herausforderungs-Phase. Im 8. Schuljahr (Stufe IV) fahren möglichst alle Gruppen für zwei Wochen ins Ausland, leben in ausländischen Familien und besuchen dort die Schulen ihrer Partnerinnen und Partner, nehmen also am Unterricht im Gastland teil. Der gemeinsame Fokus liegt bei dieser Fahrt auf der gemeinsamen Begegnungssprache ‚Englisch‘. Beim Gegenbesuch in Bielefeld wohnen ihre Gastgeberinnen und Gastgeber bei ihren oft zu Freunden gewordenen Laborschülerinnen bzw, -schülern und werden von ihnen betreut. Kosten entstehen für die Fahrt selbst, für die besonderen Ausflüge und die gemeinsamen Vorhaben der ausländischen Schülerinnen und Schüler mit unseren Gruppen. Die Studienfahrt am Ende der Schulzeit ging in den vergangenen Jahren fast immer nach Italien, also in ein Land, dessen Sprache alle gleichermaßen nicht kennen. Die Reise wird projektorientiert vorbereitet. Die inhaltlichen Schwerpunkte kann man am einfachsten so zusammenfassen. Wie kann ich mich zu Hause auf eine Ferienreise vorbereiten, wie finde ich selbstständig viel über das zu besuchende Land heraus, wie bereite ich mich auf wichtige Sehenswürdigkeiten so vor, dass ich sie am Ort auch sehe, denn: „Man sieht nur, was man kennt“, wie vergnüge und ernähre ich mich im fremden Land möglichst „neugierig“ auf das „andere“ und wo kaufe ich nette Mitbringsel …? Dass dann schließlich auch das Abschiednehmen in und mit der Gruppe eine wichtige Erfahrung wird, an die sich alle lange erinnern, ist selbstverständlich.
Die Schule will die Unterschiede zwischen den Kindern bewusst bejahen und als Bereicherung verstehen. Daraus ergibt sich eine weitgehende Individualisierung des Unterrichts, die Rücksicht auf das unterschiedliche Lerntempo der Kinder und ihre individuell verschiedenen Bedürfnisse und Fähigkeiten nimmt. Laborschüler*innen leben und lernen gemeinsam in leistungs-, teilweise auch altersheterogenen Gruppen. Die Schule will niemanden aussondern, es gibt auch kein „Sitzenbleiben“ und keine äußere Leistungsdifferenzierung, an deren Stelle die Differenzierung der Angebote tritt. So verteht und lebt die Schule das große Thema Inklusion für alle Kinder und Jugendlichen.
Please confirm you want to block this member.
You will no longer be able to:
Please note: This action will also remove this member from your connections and send a report to the site admin. Please allow a few minutes for this process to complete.